Meine Coaching-Werkstatt war bisher Frauen vorbehalten. Im Juli war zum ersten Mal ein männlicher Teilnehmer dabei. Aufgrund der großen Nachfrage biete ich sie im November 2020 Flyer deshalb noch einmal für eine gemischte Gruppe an. Im Interview berichtet die Chefärztin eines kommunalen Großkrankenhauses über ihre Eindrücke und Erfahrungen. Wir haben uns bei einem Führungskräfte-Seminar kennengelernt und sie hat die Coaching-Werkstatt dieses Jahr zum zweiten Mal besucht.

Coaching-Werkstatt 2020
Coaching-Werkstatt 2020

Was war deine Motivation für die Teilnahme an der Coaching-Werkstatt?

Ich komme aus einer hierarchisch geprägten und männerdominierten Berufswelt. In der Coaching-Werkstatt hole ich mir die Stärke, um in meinem sehr herausfordernden Führungsalltag zu bestehen und um die Führungsperson zu werden, die mir vorschwebt. Ich treffe dort Gleichgesinnte, sehr starke Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Bereichen, die interessanterweise alle den gleichen Herausforderungen gegenüberstehen. Außerdem geht es darum, sich selbst besser kennenzulernen, herauszufinden, wie man tickt, wo man hinwill.

Ich werde auch im nächsten Jahr wieder teilnehmen, denn ich persönlich habe sehr viele Dinge gelernt. Obwohl ich bereits zum zweiten Mal in der Coaching-Werkstatt war, haben sich mir wieder neue Aspekte eröffnet. Ich habe mir sogar überlegt, ob ich jedes Jahr dabei sein möchte und diese Frage mit Ja beantwortet. Zum einen lernt man nie aus und zum anderen geben mir diese zwei Tage die Sicherheit, auf meinem Weg voranzuschreiten.

Bisher war die Coaching-Werkstatt ausschließlich für Frauen. Dieses Mal hatten wir einen männlichen Teilnehmer. Wie hast du das erlebt im Gegensatz zu einer reinen Frauengruppe?

Ich war etwas im Zweifel, ob ich mich in einer gemischten Gruppe so würde öffnen können wie in einer Frauengruppe. Aber ich empfand die Erfahrung letztlich als sehr bereichernd, wobei das auch sehr von der Person abhängig ist, aber das ist es in einer reinen Frauengruppe ebenfalls. Außerdem habe ich mich in den letzten Jahren so weiterentwickelt, dass ich mich auch in einer gemischten Gruppe wohlfühle und dort etwas lernen und mich öffnen kann. Für Frauen, die sich mit ihrer Rolle in einer männerdominierten Berufswelt auseinandersetzen möchten, ist vielleicht die reine Frauengruppe besser. Es gibt Bedarf für beide Formate.

Welche Vorteile siehst du in einer gemischten Gruppe?

Ich bin überzeugt, dass eine gemischte Gruppe auch für die teilnehmenden Männer extrem bereichernd sein kann. Sie entdecken in einer gemischten Gruppe Seiten an Frauen, die ihnen zuvor nicht bewusst waren und die ihnen zeigen, wie diese Gesellschaft im Idealfall funktionieren könnte. Männer wissen oft nicht, wie Frauen ticken, wenn sie nicht Ehefrau, Mutter oder Tochter sind, sondern Frauen in Führungspositionen. Allerdings glaube ich, dass für eine gemischte Gruppe unbedingt ein guter Moderator oder Coach nötig ist. Er oder sie muss das Talent mitbringen, eine gemischte Gruppe so zu führen, dass beide Seiten etwas daraus mitnehmen können und es zum Schluss vielleicht gar keine Seiten mehr gibt, sondern dass sie zu einem Ganzen werden. Der Coach muss sein Geschäft verstehen, braucht viel Erfahrung und Verständnis für beide Seiten. Du Jutta, hast die Erfahrung und das Talent, auch Männer so zu coachen und zu führen, dass sie sich angesprochen fühlen auf eine emotionale Art und Weise, die sie trotzdem fordert.

Was ist es, was du an mir persönlich als Coach schätzt?

Du bist jemand, der ein bisschen polarisiert. Es gibt bestimmt Menschen, gerade auch Männer, die sich an Deiner Art reiben. Aber das ist gut, weil Du jemand bist, der mit Struktur und durch Erfahrung führt. Du coachst mit ganz viel Herz. Das ist es, was alle immer an den Punkt zurückbringt, an dem man willens ist, über sich nachzudenken. Es gibt nichts Schlimmeres als Coaching Sessions, in denen man gesagt bekommt, was man zu tun und worüber man nachzudenken hat. Du coachst mit Witz, sehr viel Herz und vor allem mit sehr, sehr viel Erfahrung. Es fällt einem viel leichter, Dinge anzudenken, die von jemandem kommen, von dem man weiß, dass er sie selbst erlebt hat. Das ist nicht angelesen, sondern erfahren und durch Erfolg gekrönt. Du strahlst aus, dass Du Erfolgsgeschichten begleitet hast. Das macht es dem Coachee viel einfacher, loszulassen und sich auf Dich einzulassen. Das ist ein großer Vorteil im Vergleich zu Menschen, die sich ihre Coaching-Kenntnisse initial eher durch die Theorie erarbeitet haben. In dieser Welt, die nach wie vor sehr männerdominiert ist, macht es für den Coachee einen Unterschied, dass Du in einem Unternehmen gearbeitet, Führung gelebt und Dich letztlich dort durchgebissen hast.

Wie hast du die Gruppe erlebt?

Ich habe die Gruppe als sehr bunt erlebt, weil nicht nur unterschiedliche Geschlechter vertreten waren, sondern auch unterschiedliche Charaktere, Berufe, Altersstufen und sogar unterschiedliche Ideen bezüglich des Coachings. Für manche ging es um ganz persönliche Fragen, für andere um konkrete Fragestellungen beruflicher Natur. Ich fand es sehr spannend, wie sich die ganze Gruppe geöffnet hat. Ich hatte den Eindruck, dass alle das Innerste nach außen gekehrt haben. Die Atmosphäre war sehr offen, sehr vertrauensvoll und sehr konstruktiv. Gerade die Heterogenität der Gruppe, dieses Bunte führte dazu, voneinander zu lernen. Die Gruppe war für mich extrem stimulierend und kreativ, weil sich dort Menschen trafen, mit denen ich persönlich sonst auf diese offene Art und Weise nie zusammenkommen würde. Für mich war es eine extrem bereichernde Erfahrung.